Wohin mit dem
Atommüll? Die Zeitungen sind voller Schlagzeilen
über den Endlager-Streit. NDR Chefreporter
Christoph Lütgert geht auf Spurensuche.
Er
steigt in die Schächte des niedersächsischen
Skandallagers Asse hinab und besucht die
verzweigten Tunnel des Endlagers Morsleben. Er
bekommt Tausende Atomfässer zu Gesicht und
Kammern voller Strahlenlast.
Dramatisch seine Eindrücke in der Asse:
eindringendes Wasser, einsturzgefährdete
Stollen, Stahlträger, die sich unter der Last
des Berges verbiegen. Die bisherigen Versuche,
Atommüll sicher einzulagern, sind erschütternd.
Schon heute gelten die bisherigen Teststandorte
als nukleare Zeitbomben.
Zur
Pro-Atom-Demo werden Auszubildende des Konzerns nach
Biblis geschickt. Auch Eon und Co beteiligen sich an dem
Aufmarsch für eine "kernige Zukunft".
Der
Essener Energiekonzern RWE holt zum großen
PR-Gegenschlag aus. Am kommenden Freitag werden alle
Auszubildenden des Konzerns freigestellt, um zu einer
Pro-Atom-Demo nach Biblis zu fahren. "Alle Azubis sind
aufgerufen, in Biblis mitzumachen", heißt es im Aufruf
der RWE-Auszubildendenvertretung, angesiedelt beim
Personalvorstand in Essen. Biblis A, der älteste
deutsche Atomreaktor, ist genauso in Besitz von RWE wie
der Nachbarreaktor Biblis B. "Je mehr mitmachen, desto
besser können wir ,denen da oben' unsere Botschaft
vermitteln: ,Biblis - KERNig in die Zukunft". Nach dem
Atomkonsens hätte Biblis A ursprünglich 2007
abgeschaltet werden müssen.
"Der
gescheiterte Verkauf der Stadtwerke Leipzig zeigt: Der
bürgerliche Widerstand gegen den Rückzug der Kommunen
aus den Unternehmen der Daseinsvorsorge wird massiver.
Und das ist gut so."
Ein Kommentar von
Heribert Prantl, www.sueddeutsche.de, 28.01.2008
Textauszug: "Es
ist in Deutschland noch niemand auf die Idee gekommen,
die Polizei zu privatisieren. Es gibt zwar in Hessen ein
teilprivatisiertes Gefängnis, und da und dort ist die
Verkehrsüberwachung (mit eher schlechten Erfahrungen) an
private Sicherheitsdienste übertragen worden. Aber der
Kern der inneren Sicherheit stand nie zum Verkauf, weil
der Schutz vor Gewalt und Diebstahl zu den Funktionen
gehört, die auch glühende Neoliberale dem Staat
zuweisen.
Nun zeigt
sich aber, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger unter
innerer Sicherheit und einem starken Staat mehr
vorstellen, als dies Politiker in jüngerer Zeit getan
haben: Zur Grundsicherung zählt der Bürger nicht nur die
Polizei, sondern auch andere Dinge, die jeder braucht:
das Trinkwasser oder die Energie zum Beispiel.
Der
bürgerliche Widerstand gegen den Rückzug der Kommunen
aus den Unternehmen der Daseinsvorsorge wird deshalb
massiver. Soeben ist der Verkauf der Leipziger
Stadtwerke an den französischen Konzern Gaz de France am
Bürgerentscheid gescheitert.
Die
verschuldete Stadt Leipzig muss nun auf 520 Millionen
Euro verzichten, dafür aber behalten die Bürger einen
gewissen Einfluss darauf, was die Stadtwerke so treiben
(bisher wird mit einem Teil des Gewinns der Leipziger
Straßenbahn-und Busverkehr subventioniert).
Der
Einfluss des Bürgers ist zwar nicht gewaltig, er kann
ihn nur mittels seiner Stimme bei der Wahl ausüben. Aber
so funktioniert Demokratie; und wenn Gas, Strom und
Wasser verkauft sind, dann regiert allein der Markt."
Der
Strom hat sich in Deutschland in den vergangenen drei
Jahren um durchschnittlich 16,6 Prozent verteuert. Am
höchsten sind die Preise in den neuen Bundesländern.
"Clement
wird Aufsichtsrat bei RWE Power und Schröder
Berater für den RAG-Konzern"
Textauszug: "Der
frühere Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD)
wurde am 13. Februar 2006 in den Aufsichtsrat der RWE
Power AG gewählt. Im 21köpfigen Aufsichtsgremium der
Kraftwerksgesellschaft des RWE-Konzerns übernimmt er
gemäß den Regelungen der Montan-Mitbestimmung die Rolle
des neutralen Mitglieds, dessen Votum bei
Stimmengleichheit zwischen Arbeitgebern und
Arbeitnehmern den Ausschlag gibt. Da Clement als
Bundeswirtschaftsminister in vielfacher Weise mit dem
Geschäftsbereich von RWE zu tun hatte und schon als
Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen beispielsweise
die Braunkohle-Verstromung favorisierte (031003),
löste er mit der Übernahme des Posten scharfe Kritik und
eine Bundestagsdebatte über die Einführung eines
Ehrenkodexes für Politiker aus. Zum Teil wurde ihm
unterstellt, der Aufsichtsratsposten sei eine Belohnung
für seine branchenfreundliche Politik als
Wirtschaftsminister.
Kurz
davor war bekannt geworden, daß der frühere Bundeskanzler
Gerhard Schröder (SPD) sich nun auch als Berater des
RAG-Konzerns betätigt, nachdem er bereits den
Aufsichtsratsvorsitz bei einem Pipeline-Projekt
übernahm, für dessen Verwirklichung er sich als Kanzler
gemeinsam mit dem russischen Präsidenten Putin
eingesetzt hat (051202).
Die RAG ist ein staatlich alimentierter Konzern, der
seine profitablen Bereiche gern privatisieren und die
Steinkohle-Lasten dem Bund überlassen möchte. Schröders
Beratertätigkeit für die RAG könnte deshalb - auch wenn
sie gratis erfolgt - den Interessen der Bundesregierung,
die er noch vor kurzem repräsentierte, direkt
zuwiderlaufen (050405).
RAG-Chef Werner Müller war seinerseits
Bundeswirtschaftsminister im ersten Kabinett Schröders,
bevor er das Amt an Wolfgang Clement abgab und mit dem
direkten Wechsel zur RAG eine erste "Filz-Debatte" im
Bundestag auslöste (030404)."
Textauszug: "(8.
Mai 2009) Mit jeweiligen
Schreiben vom 23. März 2009
wurden Strafanzeigen gegen
die Verantwortlichen der RWE
AG, der RWE Power AG, der
RWE Supply & Trading und der
RWE Energy AG einerseits
sowie der E.ON Ruhrgas AG,
der E.ON Energie AG, der
E.ON Energy Sales GmbH und
der E.ON Energy Trading AG
andererseits bei den
zuständigen
Staatsanwaltschaften
erstattet. Das teilte der
Vorsitzende des Bund der
Energieverbraucher e.V. Dr.
Aribert Peters heute in
Düsseldorf mit. Das
Verfahren gegen die
RWE-Gruppe wird bei der
Staatsanwaltschaft Essen
unter dem Aktenzeichen 306
Js 101/09 und das Verfahren
gegen die E.ON-Gruppe bei
der Staatsanwaltschaft
Düsseldorf unter dem
Aktenzeichen 120 UJs 22/09
geführt".
Viele
Jahre galt „Privatisierung“ als eine Art Zauberwort, als
ein Allheilmittel gegen leere Staatskassen.
Privatisierung, so hieß es, schaffe nur Vorteile: Der
Staat spare Kosten, der Wettbewerb unter den privaten
Anbietern sorge für günstigere Preise und die
Bevölkerung werde besser versorgt. Es gebe nichts – so
die „Lehre“ - was die Privaten nicht besser könnten als
der Staat. Die Akzeptanz in der Bevölkerung war
lange Zeit recht groß, denn viele glaubten diesen
Versprechungen. Es herrschte ein regelrechter
Privatisierungswahn; öffentliches Eigentum wurde im
großen Maßstab verscherbelt und weite Bereiche der
öffentlichen Daseinsvorsorge dem Markt anheim gestellt.
Getreu dem Motto „alles muss raus“ fand ein wahrer
Ausverkauf öffentlichen Eigentums statt, insbesondere im
kommunalen Bereich: Finanziell in Not geratene Städte
verkauften Wohnungen, Krankenhäuser, Stadtwerke und
Entsorgungsbetriebe.
Doch in
fast allen privatisierten Bereichen folgte auf
Ernüchterung bald das böse Erwachen, denn die
vollmundigen Versprechungen erwiesen sich zumeist als
leere Worthülsen. Die Hoffnung, dass alles billiger
wird, hat sich nicht bewahrheitet. Und auch die
Behauptung, dass die Privaten effizienter arbeiten als
der Staat, lässt sich nicht nachweisen. So hat sich
allmählich die Stimmung in der Bevölkerung gedreht,
Misstrauen keimt auf gegen einen weiteren Ausverkauf
öffentlichen Eigentums. Wie verschiedene Umfragen
zeigen, ist die Mehrheit der Deutschen mittlerweile
gegen Privatisierung eingestellt. Trotz aller negativen
Erfahrungen und kritischen Einwände ist die
Privatisierungspolitik aber keineswegs am Ende!
Atomstrom
ist angeblich billig. Eine Verlängerung der Lauf-zeiten
von Kernkraftwerken soll daher helfen, die Energiepreise
zu senken. Mit diesem Argument erlebt die
Kernenergie-Debatte derzeit eine Renaissance. Doch
Experten wie der Energie-wissenschaftler Olav Hohmeyer
vom Sachverständigenrat für Umweltfragen der
Bundes-regierung (SRU) halten die These von sinkenden
Preisen durch Laufzeitverlängerungen für falsch.
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Bericht:
Von Georg Restle, Jan Schmitt, Frank Konopatzki
Sonia Mikich:
"Hallo,
Willkommen. Es gibt Lügen, die schnell platzen. Und
solche, die kaum noch aufregen, so oft haben wir die
schon gehört. Von besonders langer Halbwertszeit ist die
Lüge vom billigen Atom-Strom. Da hat die Atom-Lobby über
Jahrzehnte so gut getrickst und so schön gerechnet, dass
jede sachliche Nachfrage als Ideologie abgetan wird.
Aber wir haben nachgefragt und enthüllen für Sie jetzt
Milliarden-Kosten, die Sie noch gar nicht kennen. Und
die Sie bezahlen werden. Georg Restle, Jan Schmitt und
Frank Konopatzki über Etiketten-schwindel bei der
Atom-Endlagerung - teuer, dreist, gefährlich."
Akzeptiert man die Privatisierung des Wassers,
akzeptiert man die Vermarktung des Lebens”, so zitiert
LabourNet
Riccardo Petrella und präsentiert eine
Schwerpunkt-seite unter dem Titel “Privatisierung und
Widerstand: Strom, Wasser, Gas”. Das schöne an dem
Feature: Die Auseinandersetzung um die gesellschaftliche
Form der Bereitstellung dieser Güter wird nicht als ein
Ringen um die bestmögliche Umsetzung eines gemeinsamen
Interesses dargestellt. Vielmehr liefert die Seite einen
Blick auf verschiedene soziale Kämpfe und die dort
aufeinander-prallenden verschiedenen Klasseninteressen
und Aktionsformen.
Wenn die
Finanzmärkte so etwas wie das Gehirn der neoliberalen
Globalisierung bilden, dann sind die großen
Energiekonzerne ihr Rückgrat. Sie liefern die Energie
für die globale Logistik und das enorme Produktions- und
Konsumniveau in den reichen Regionen der Welt. Das
Energiesystem funktioniert weltweit nirgendwo konsequent
nach sozialen und ökologischen Kriterien. Das ist keine
Neuigkeit - aber die Lage spitzt sich zu. Proteste gegen
Energiepreise und der Klimawandel zeigen es an: Das
Energiesystem steckt in der Krise. Zeit, umzuschalten.
Zeit, den Stromkonzernen den Stecker zu ziehen!